Laugelegumperzunft Konstanz e.V.

   
   
   
   
   
   
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Chronik der Laugelegumper

 

Wie alles begann, von einer Künstlergilde zur Fasnachtszunft

Nach der Währungsreform 1948 ging es langsam wieder aufwärts. Ein Zeichen dafür war in Konstanz das erste Seenachtsfest nach dem Krieg. Mann feierte bescheiden, aber man feierte. Für viele hatten die Raketen noch etwas Makabres, sie erinnerten zu sehr an Trommelfeuer und an die "Christbäume" der Bombennächte. So kam man auf den Gedanken, dieses Fest "humaner" auszugestalten und das Feuerwerk mehr zu umrahmen.
Hans Brügel, der damalige Leiter des Konstanzer Verkehrsamtes, hatte alle Konstanzer Künstler eingeladen, mit neuen Ideen das Seenachtsfest 1950 zu bereichern. Sie kamen alle und waren bereit, mit ihren Ideen etwas zum Aufbau ihrer Stadt beizutragen. Die Künstler waren gewissermaßen schon darauf vorbereitet.

 

                                 

Mittelpunkt der Kunstszene war Sepp Biehler, ein heimischer Kunstmaler und leidenschaftlicher Narr, der es verstand, andere Künstler und junge Talente um sich zu scharren. Seit 1946 gab es den Freundeskreis Sepp Biehler, zu denen Konstanzer Künstler wie Peter Diederichs, Adolf Schmidt, Adolf Greis Anneliese Güllenring, Peter Müller, Erich Hofmann, Walter Götzmann, Walter Diesch, Wolfgang Schmid und Erich Keller. Alles "alte Krieger", wissen- und lernbegierig und hatten Erfahrung, aus dem Stand heraus zu organisieren, zu basteln und Feste zu feiern. So kam dies der Fasnacht zu gute, die ein immer willkommener Anlass war, Werkstätten oder Säle mit grenzenloser Fantasie auszugestalten, Wände zu bemalen, zu dekorieren und auf Umwegen Papier, Nägel und Farbe zu beschaffen. Zum Fest wurden Würstle herbeigezaubert, die Gäste brachten Brot und Holz zum Heizen mit, so z.B. 1947 " Ein Abend in Positano" in der Werkstatt von Hermann Martin. Der Motor war immer unser Sepp und wir alle waren immer mit Begeisterung dabei: 1949 "Im Urwald", erster öffentlicher Ball im St. Johann. 1950 der Ball der Bälle " Zirkus Rosbolli": Sepp Biehler als Direktor in Hochform, mit einer grandiosen Zirkusreiterin und mit Peter Dieterichs als Dompteur mit den lebensgroß gemalten Tieren von Adolf Greis. Ein Gaudium ersten Ranges: jahrzehntelang im Gespräch, Vorbild aller zukünftigen Feste. 1951 fand das "Räuberfest" in St. Katharinen statt mit den nicht zu vergessenden hübschen Räuberinnen, die sich im Wald verirrten.
Mit dieser Erfahrung haben sich die Künstler auf die Ausgestaltung des Seenachtsfestes gestürzt. Es wurde entworfen, gezimmert gemalt und Kiesschiffe von Meichle & Mohr zu Schauschiffen umfunktioniert. Im Werkhof und in den Werkstätten der Konstanzer Schreinermeister entstanden die Kulissen. Zu den Lieferanten von Ideen gehörten Karl Steuer, Alfred Riedle, Erich Keller, Peter Diederichs, Sepp Huber, Adolf Schmidt, Adolf Greis und Hans Stingl; das Seeräuberschiff entwarf Sepp Biehler, Hermann Martin das Zigeunerschiff, Hans Sauerbruch das Tanzschiff.- Dem murrigen Schiffsführer gefiel das nicht, dach als sein Schiff mit hübschen Ballettmädchen beladen war, entführte er dieses nach Meersburg und das Polizeiboot musste das Schauschiff erst wieder eingefangen.- In einem Jahr wurde das Tanzschiff von der Rheinströmung erfasst, und die Dekoration fiel der Rheinbrücke zum Opfer und einige Mädchen des aus München engagierten Balletts verwandelten sich unfreiwillig in schwimmende Badenixen.- Auf dem Schiff "Empfang des Großherzogs" hatten Peter und Berthilde Müller die Ehre, als Offizier und winkende Ehrenjungfrau alle zehn Minuten einen Willkommenstrunk dem singenden Großherzog- alias Heini Miller vom Stadttheater- zu überreichen. Adolf Greis entwarf die "Badisch Kuh", von Schwaben gemolken, eine Anspielung auf den in der Entstehung begriffenen Südweststaat Baden- Württemberg. Die Kuh sollte mit dem Kopf nicken, aber ein Windstoss hatte sie enthauptet.


So machten Wind, Wetter, die Strömung und der Wasserstand 1956 den Seenachtsfest-Schauschiffen den Garaus.
Nachdem die Künstler die Gestaltung der Schauschiffe für das Seenachtsfest übernommen hatten, sind sie allmählich zu einer Künstlergemeinschaft zusammen gewachsen und stellten sich die Aufgabe, die Konstanzer Strassenfasnacht wieder neu zu beleben. So kann man schon 1950 der Gedanke auf, einen großen Fasnachtsumzug zu veranstalten. 1953 war es dann soweit. Hans Brügel, der Leiter des Verkehrsamtes lud die Konstanzer Narrenvereine und die Künstler zu einer Beratung in die "Obere Sonne" ein. Bei dem damaligen Präsidenten der Elefanten, Philipp Blum als "Philipp I." ist diese Idee auf Begeisterung gestoßen. Der Umzug sollte alle zwei Jahre stattfinden und ein Gegengewicht zum Seenachtsfest bilden als eine weitere Fremdenverkehrattraktion. Alle waren in Hochstimmung und träumten von Umzügen mit den Niveau des Basler Morgenstreichs und der Tradition der rheinischen Karnevals.
Mit dieser Euphorie gingen die Künstler an die Arbeit. An Ideen fehlte es nicht. Motto des Umzuges war:" Schlag auf Schlager". In unserer Erinnerung sind noch: " der wieder erwachte Narr" von Sepp Biehler, die Zollszene " Schau mich bitte nicht so an" von Adolf Schmid und Alfred Riedle, "Der Amtsschimmel", der geschlachtet werden sollte, um die Fleischrationen zu erhöhen von Hans Sauerbruch und "Der große Zöllner", an den gekettet große Stumpen und Flaschen hinterhermarschierten;- "Senkrechtes braucht der Umzug wegen der Gesamtkomposition!" , so mahnte Sepp Biehler. Der deutsche Mische und Marianne: "Hörst Du mein heimliches Rufen?" wurde von Hans Stingl entworfen und wieder erschien die badische Kuh mit den melkenden Schwaben: " sind füreinander bestimmt". "Früh morgens, wenn die Hähne krähen" war das Motto für den Wagen der Blätzlebuben und ein altes, heute noch gültiges Thema: "Schlösser, die im Mond liegen" war als Kommentar zum Entwurf für die Stadthalle gedacht. Entwürfe wie der "Minaukiosk-Wagen" als Parodie auf den Kitsch der vielen Mainau-Kioske sowie das Thema "Wiederaufrüstung" waren dem Umzugskomitee zu heiß und wurden abgelehnt.
Der Umzug erregte trotz des Regens großes Interesse und viele Zuschauer waren begeistert. Das ganze Spektakel wurde letztendlich von Sepp Biehler auf zwei Seiten der Elefantenchronik festgehalten.
Während der Vorarbeiten und den vielen Sitzungen im November 1953 kam der Wunsch auf, die Künstler sollten den Umzug eröffnen, aber wie? Wieder einmal wusste Sepp Biehler Rat. Bei irgend einer dieser Sitzungen, keiner weiß mehr genau wann und wo, zog er den Entwurf für ein "Laugelegumperkostüm" aus der Tasche. Schon lange schmorte diese Idee in seiner künstlerischen Narrenseele, siehe in der Elefantenchronik 1933/35. Laugelegumper bedeutet ins Konstanzer-Deutsch übersetzt "Laugelefuchser". Die gesamte Künstelgilde war dafür. Das Fasnachtshäs wurde bestellt, die ersten Larven schnitzten Hans Stingl und Adolf Schmid, weitere Larven wurden im Schwarzwald bestellt. Alfred Riedle, Klaus Meßmer und Adolf Greis trugen das Weißgold auf und Frau Meßmer, die Mutter von Gumper Klaus, fertigte liebevoll die Fischle.
So sind die Laugelegumper 1954 erstmals öffentlich in Erscheinung getreten und dem Umzug "vorausgegumpt". Das war die Geburtsstunde der "Konstanzer Laugelegumper" .
Die Finanzierung der ersten Kostüme übernahm das Verkehrsamt, den bürokratischen Kram erledigte Hans Brügel. Die Laugelegumper waren keine reine Fasnachtszunft, sondern fühlten sich allen kulturellen städtischen Belangen verpflichtet. Die Künstler Freundschaften wurden je nach Bedarf ergänzt oder erweitert.

Das ist der Grund, warum wir heute noch kein Verein, sondern eine los Gemeinschaft geblieben sind. Daraus ergab sich ein kleines Problem: Bei der Zusammenstellung konnten wir uns nicht einigen , wer eigentlich zu den Laugelegumpern gehört.

Text von Erich Hoffmann (1994)

 

Ergänzung: Heute sind die Laugelegumper Konstanz ein eingetragener Verein und wir  wissen wer dazugehört!!

Ergänzung von Florian (2005)